· Pressemitteilung

Resilienz fördern – Hilfsorganisationen stärken

Die beiden Landesverbände des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind starke Partner des Landes und sichern in Zeiten von Krise und Umbruch die Resilienz des Gemeinwesens. Mit über 61.000 Freiwilligen und fast 19.000 Mitarbeitenden steht das DRK breit aufgestellt für Menschlichkeit, Solidarität und den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Zugleich sieht das DRK große Herausforderungen auf das Land zukommen und fordert, bei Sicherheit und sozialem Zusammenhalt nicht zu sparen. Anspruch und tatsächliche Investitionen für eine resiliente Gesellschaft klafften derzeit auseinander – im Katastrophenschutz ebenso wie im Rettungsdienst und in der sozialen Versorgung.

Bevölkerungsschutz ausbauen

Das DRK begrüßt zwar, dass die Landesregierung den Bevölkerungsschutz stärken will – etwa mit einem neuen „Präsidium Bevölkerungsschutz“ und besseren Übungen. Das gehe in die richtige Richtung. Aus Sicht des Roten Kreuzes reicht das aber nicht aus.

Es fehle weiterhin eine verlässliche Finanzierung, betonte die Präsidentin des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg, Barbara Bosch, gemeinsam mit dem Präsidenten des DRK-Landesverbands Badisches Rotes Kreuz, Hanno Hurth, in der Jahrespressekonferenz der beiden DRK-Landesverbände. Das DRK hält Investitionen von 0,5% des jährlichen Haushalts für notwendig – auf Landes- wie auch Bundesebene. Sie mahnten an, dass dabei der Schwerpunkt nicht nur auf Bundesbehörden gelegt werden dürfe, wie dies beim sogenannten „Dobrindt-Plan“ der Fall sei. Zusätzlich baue das DRK seine eigenen Kapazitäten für den Bevölkerungsschutz weiter aus.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorbereitung der Bevölkerung auf Krisen: Erste-Hilfe-Kenntnisse und Selbstschutz sollen stärker und dauerhaft vermittelt werden. Auch sei die Krisenvorsorge für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu verbessern.

Rettungsdienst zukunftssicher finanzieren

Den Abbau von Förderlücken beim Bau von Rettungswachen begrüßt das Rote Kreuz sehr, dennoch drohe dem Rettungsdienst eine dauerhafte Unterfinanzierung. Neue gesetzliche Vorgaben – etwa schnellere Einsatzzeiten – erfordern mehr Standorte und Personal. Ohne ausreichende Mittel zeichne sich ein neuer Investitionsstau ab, der die Versorgung gefährden könnte.

Sorgen bereitet zudem das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz des Bundes. Es bestehe das Risiko, dass die Vergütung im Rettungsdienst nicht mehr mit steigenden Kosten Schritt hält – mit Folgen für die Versorgungssicherheit. Das sabotiere die von allen Partnern erwünschte moderne Ausrichtung des Rettungsdienstes in Baden-Württemberg.

Ehrenamt stärken – soziale Versorgung sichern

Das Ehrenamt bildet die Grundlage des Bevölkerungsschutzes. Zwar wurden wichtige Verbesserungen im neuen Bevölkerungsschutzgesetz gesetzlich verankert, in der Praxis gebe es jedoch weiterhin Unterschiede und Unklarheiten hinsichtlich der Helfergleichstellung. Das DRK fordert deshalb eine Klarstellung, die zu einer Harmonisierung und einheitlichen Handhabung bei den nachgeordneten Behörden führt, verbunden mit transparenten Informationen für Arbeitgeber und Ehrenamtliche.

Gleichzeitig setzt sich das Rote Kreuz für mehr Erste-Hilfe-Wissen in der Bevölkerung ein. Programme wie Schulsanitätsdienst oder „Löwen retten Leben“ leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Regelmäßige Auffrischungskurse sollten selbstverständlich werden.

Das DRK in Baden-Württemberg unterstützt als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege den Vorrang der ambulanten Versorgung vor einer stationären. Ambulante Angebote und Hilfen im Wohnumfeld müssten weiter gestärkt werden, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.

Auch hier gefährdet das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz die Versorgungssicherheit: Tarifbindung und soziale Infrastruktur sind in Gefahr, wenn steigende Kosten nicht mehr refinanziert werden.

Zitate:

Barbara Bosch: Die Bevölkerung in Baden-Württemberg hat Anspruch auf einen leistungsfähigen Katastrophenschutz. Statt Substanzverlust brauchen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte eine verlässliche Finanzierung der Strukturen.

Hanno Hurth: Das Land steht in der Verantwortung: Wer im Rettungsdienstgesetz neue Anforderungen festlegt, muss auch deren Umsetzung ermöglichen.

Hanno Hurth: Die Pläne für das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz in ihrer jetzigen Form führen zu einer Unterfinanzierung des Rettungsdienstes. Sie gefährden die Versorgungssicherheit wie auch die notwendigen Anpassungen des Rettungsdienstes an die Herausforderungen der Zukunft.

Barbara Bosch: Statt Tariftreue zu bestrafen, gilt es, Notfallversorgung wie auch Pflege verlässlich zu finanzieren. Beides darf nicht im Spannungsfeld zwischen Ansprüchen und Unterfinanzierung zerrieben werden.

DRK in Baden-Württemberg: Daten und Leistungszahlen

Die beiden DRK-Landesverbände in Baden-Württemberg gehören zu den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, agieren als Hilfsgesellschaften und sind Teil der nationalen und internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.

In Baden-Württemberg leistet das Rote Kreuz etwa 75 Prozent des Rettungsdienstes und gewährleistet mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern den weit überwiegenden Teil des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes.

Allgemeine Daten

 

  • Kreisverbände

49

  • Ortsvereine

832

  • Fördermitglieder

558.587

  • Ehrenamtlich aktive Mitglieder

61.581

  • Hauptamtliche Mitarbeitende

18.851

  • Pflegeeinrichtungen
  • Ambulante Dienste

76

28

  • Kindertagestätten/
    Waldkindergarten
  • Horte

33

5

Rettungsdienst

 

  • Einsätze Rettungswagen
  • Einsätze Notarzt

838.260

191.241

  • Zahl der Rettungswagen
  • Zahl der Rettungswachen

369 Regel (132 Ersatz)

247

Bevölkerungsschutz

 

  • Einsatzkräfte Bereitschaften 

38.793

  • Einsatzeinheiten 

114

  • Helfer-vor-Ort-Gruppen

1008

  • Helfer-vor-Ort-Alarmierungen

169.567

  • Ersthelfer-App Alarmierungen

21.307

Erste Hilfe

 

  • Teilnehmende an EH-Ausbildungen1

304.350

  • Teilnehmende an EH-Fortbildungen1

36.828

Jugendrotkreuz

 

  • Jugendrotkreuz-Mitglieder

12.752

  • Schulsanitätsdienst

9.100 Schulsanitäter
 an 750 Schulen

  • Juniorhelferprogramm

2.500 Juniorhelfer an 200 Grundschulen

  • Löwen retten Leben“ (LRL):
    Reanimationsprogramm für Schüler

5.132 Trainerinnen und Trainer

Bergwacht 
  • Bergwacht Württemberg (ohne Bergwacht Schwarzwald, die eigenständig ist)

1.369 aktive Mitglieder
in 19 Bergwachten